Vielleicht gehöre ich einer Nation an, die nicht gern vergisst, die vielleicht auch dazu gezwungen wurde und sich an dieses kleine Detail nicht mehr erinnert. Vielleicht nicht alle, aber ich erinnere. Ich veranstalte keine Grillabende an Orten, an denen Massaker an Tausenden von Menschen stattfanden, erkenne das Leid einzelner Gruppen an wie das erlittene Leid anderer ohne dazwischen abzuwägen. Noch immer zucke ich bei jedem antisemitischen Witz zusammen, genau so bei homophoben. Aber auch an diese Momente sollte ich mich erinnern, bevor ich mich einer ukrainophilen Folklore-Erinnerung hingebe.
Montag, 11. April 2011
Sonntag, 10. April 2011
die Oper (44)
Samstag, 9. April 2011
Freitag, 8. April 2011
Donnerstag, 7. April 2011
Duschgeschirr (47)
unwahrscheinlich dass ich es vergesse, denn es war der Running-Gag meiner zwei Jahre:
"Und wo wohnst du so?"
- "Im Gästehaus der Universität"
- "Wow"
- "ja es ist super hier. Manchmal vielleicht ein wenig anstrengend, dass ich nur einen Wasserkocher und Kühlschrank habe - aber ansonsten super." Und das meinte ich völlig ironielos. Dass ich jedoch zwei Jahre meine Geschirr in der Dusche gespült habe, zugegeben meistens im Waschbecken, das habe ich heute photographisch festgehalten.
"Und wo wohnst du so?"
- "Im Gästehaus der Universität"
- "Wow"
- "ja es ist super hier. Manchmal vielleicht ein wenig anstrengend, dass ich nur einen Wasserkocher und Kühlschrank habe - aber ansonsten super." Und das meinte ich völlig ironielos. Dass ich jedoch zwei Jahre meine Geschirr in der Dusche gespült habe, zugegeben meistens im Waschbecken, das habe ich heute photographisch festgehalten.
Mittwoch, 6. April 2011
Kiewkiosks (48)
an jeder Ecke in jeder Lebenslage zu jeder Stunde des Tages und in jeder erdenklichen Gemütslage von Verkäuferinnen zu finden.
Dienstag, 5. April 2011
Die Morgenmetro (49)
Montag, 4. April 2011
Abschiedsexperiment in Bildern
Eine Freundin fragte mich gestern via Email, ob ich denn schon Abschied feiere, denn als sie damals Bisk (Sibirien) verließ, habe sie zwei Wochen lang feiern müssen, sie war genau drei Monate dort und kann sich nur schwer vorstellen, wie das wohl bei zwei Jahren sein müsse. Sie hat Recht, ich plane bereits - bin eben eine Deutsche geblieben - wann und wo und mit wem, ob alle zusammen, ich einen Raum, eine Bar, eine Band mieten, den Strand für einen Abend im Mai in Beschlag nehmen sollte etc.
Da es auch Abschiednehmen von vielen kleinen Dingen und Momenten heißt, die ich hier lasse, über die ich lachen muss, mich manchmal ärgere oder sie als alltäglich empfinde und sie irgendwann vergessen werde, mich aber auch gebührend verabschieden will, werde ich die nächsten 49 Tage jeden Tag ein Foto machen, vielleicht auch erklären, was genau ich hier verabschiede.
Ich spinne, ich weiß. Aber das soll mein kleines erinnerungstechnisches Experiment sein.
Tag 50: Ein Ausschnitt meiner Badezimmerfliesen-Vokabeln-Post-its mithilfe des Auswärtigen Amts in die Tat umgesetzt, zu dieser Kategorie gehören auch die Kühlschrankworte und Schreibtischverben:
Da es auch Abschiednehmen von vielen kleinen Dingen und Momenten heißt, die ich hier lasse, über die ich lachen muss, mich manchmal ärgere oder sie als alltäglich empfinde und sie irgendwann vergessen werde, mich aber auch gebührend verabschieden will, werde ich die nächsten 49 Tage jeden Tag ein Foto machen, vielleicht auch erklären, was genau ich hier verabschiede.
Ich spinne, ich weiß. Aber das soll mein kleines erinnerungstechnisches Experiment sein.
Tag 50: Ein Ausschnitt meiner Badezimmerfliesen-Vokabeln-Post-its mithilfe des Auswärtigen Amts in die Tat umgesetzt, zu dieser Kategorie gehören auch die Kühlschrankworte und Schreibtischverben:
Samstag, 2. April 2011
Tschernobyl Tours
So heißt die eine oder andere Agentur, die Geld mit dem Schrecken macht. Bald ein Jahr habe ich nachgedacht, ob sie auch ihr Geld an mir verdient. Die Zone ist noch immer gesperrt, nur mit Sondergenehmigung zu erreichen, an der ein Rattenschwanz an Mitverdienern hängt. Morgen fahre ich.
Ich habe mit vielen gesprochen, mit den Ausländern um mich, mit Ukrainern. Jeder hatte eine Meinung zum Kommerz, zu den Bildern, zum Grauen, zur Gefährlichkeit dieses Unterfangens. Am meisten beschäftigt hat mich eben dieser Kommerz mit der Katastrophe, die davon am meisten Betroffenen sehen nichts von dem kleinen Vermögen, dass mich und viele andere dieser Trip kostet und den halben Monatslohn eines ukrainischen Hochschuldozenten darstellt.
Was sucht sie da, wird wieder der ein oder andere denken (die liebe Familie ;), reicht ein Loch im Bein mit dazugehörigem Adrenalinputsch im Jahr noch nicht? Die Strahlung dort ist so hoch wie in Kiew – ich weiß nicht, ob das eine beruhigende Antwort ist, aber gefährlicher als hier ist es nicht.
Wenn ich nicht jetzt fahre, werde ich es niemals tun. Und ich bin neugierig, will verstehen, was da passierte, was es für die Gegenwart bedeutet und den Unfall in Japan nachvollziehbarer macht. Ich will die alte dort konservierte Sowjetunion sehen, so sehr sie nun auch journalistengerecht in Szene gesetzt sein mag und ich habe es mir gut überlegt.
Freitag, 1. April 2011
Alterswitz
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